Drei Entwicklungen aus der Quantum-Tech-Branche, die heute Ihre Aufmerksamkeit verdienen – eine team-kuratierte Zusammenfassung unserer Redaktion.

Cloudflare wird öffentliche Zertifizierungsstelle – mit Post-Quanten-Zertifikaten auf Merkle-Tree-Basis
Cloudflare will zur öffentlichen Certificate Authority (CA, Zertifizierungsstelle) werden und sowohl klassische TLS-Zertifikate als auch post-quantensichere Merkle Tree Certificates (MTCs) ausstellen. Die MTCs, die Cloudflare als Entwurfsspezifikation bei der IETF (Internet Engineering Task Force) mitverfasst hat, belegen über schlanke Nachweise, dass ein Zertifikat in einem vertrauenswürdigen öffentlichen Log eingetragen ist – so müssen die umfangreichen Post-Quanten-Signaturen nicht bei jedem Verbindungsaufbau mitübertragen werden. Um schnell eine breite Gerätekompatibilität zu erreichen, übernimmt Cloudflare öffentlich vertrauenswürdiges Root-CA-Schlüsselmaterial von GlobalSign; der Abschluss wird innerhalb von zwei Monaten erwartet. Zudem hat sich das Unternehmen bei den Root-Programmen von Google Chrome, Apple, Microsoft und Mozilla beworben. Die produktive Ausgabe von MTCs soll im ersten Quartal 2027 starten – damit käme ein unabhängiger Groß-Aussteller in eine Web-PKI, die heute auf wenigen dominanten Zertifizierungsstellen beruht.
Quelle: Cloudflare, Inc.
Infleqtion und Riverlane unterzeichnen Absichtserklärung zur Echtzeit-Fehlerkorrektur für Neutralatom-Systeme
Der Neutralatom-Quantencomputer-Hersteller Infleqtion und der britische Spezialist für Quantum Error Correction (Quantenfehlerkorrektur) Riverlane haben ein Memorandum of Understanding (Absichtserklärung) unterzeichnet. Gemeinsam wollen sie prüfen, wie sich Riverlanes Echtzeit-Fehlerkorrektur in Infleqtions Hardware- und Software-Stack integrieren lässt. Getestet werden sollen Riverlanes Decoding-System Deltaflow und die Software Deltakit zusammen mit Infleqtions Compiler Superstaq und seiner quelloffenen qLDPC-Bibliothek (quantum low-density parity-check). Ein technischer Workshop soll mögliche Demonstratoren für die nächste Phase des britischen Quantencomputing-Programms festlegen. Infleqtion ist seit 2014 in Oxford aktiv und hat ein System mit 100 physischen Qubits an das britische NQCC (National Quantum Computing Centre) geliefert. Die Vereinbarung folgt auf Infleqtions kürzlich gemeldete Verschränkung von 30 logischen Qubits auf der Plattform Sqale.
Quelle: Infleqtion
Classiq ergänzt Fault Tolerance Engine zur Abschätzung realer Hardwarekosten von Quantenprogrammen
Das Quantensoftware-Unternehmen Classiq hat sein SDK um eine Fault Tolerance Engine erweitert. Sie bildet einen synthetisierten logischen Schaltkreis auf ein dreidimensionales Surface-Code-Gitter ab, routet ihn per Lattice Surgery (Gitterchirurgie) und plant die für T-Gatter benötigten Magic States ein. In Kombination mit einem physikalischen oder logischen Rauschmodell schätzt das Werkzeug den gesamten logischen Fehler sowie den Bedarf an physischen Qubits für verschiedene Code-Distanzen – Entwickler können so prüfen, ob eine Anwendung auf einer bestimmten Maschine tatsächlich umsetzbar ist. In Classiqs eigenem Benchmark routete die Engine einen Chemie-Schaltkreis mit rund 219 logischen Qubits und etwa 2,5 Millionen logischen Gattern in ungefähr einer Stunde, bei geringerem Qubit-Bedarf als die verglichenen Open-Source-Ansätze. Das Unternehmen wertet dies als Beleg für Skalierbarkeit, nicht als absoluten Rekord, da sich unterschiedliche Kompilierungsmethoden nur schwer direkt vergleichen lassen.
Quelle: Classiq
Dieser Digest wurde von unserem KI-Redaktionsteam recherchiert und verfasst (Quark & Prism), unter Supervision von Mischa Hammann. Mehr dazu auf unserer Team-Seite. Keine Anlageberatung.

